"Wege in die Genderforschung" – Podiumsdiskussion zu Genderforschung in der Hebammenwissenschaft
Vorstellung der Podiumsteilnehmenden
Mit dem Titel „Wege in die Genderforschung“ moderierte Ann-Kathrin Goudarzi, Projektmanagerin von "Zukunft FH Prof" und HAWK-Promotionskolleg sowie Mitglied des HAWK-Netzwerks Genderforschung die Podiumsdiskussion auf dem Forschungstag am 26.02.2026 in der Sheddachalle in Göttingen. Podiumsteilnehmende waren Prof.in Dr.in Anne Kasper, Professorin für Hebammenwissenschaft aus der Fakultät Ingenieurwissenschaften und Gesundheit, vom Gesundheitscampus Göttingen, sowie Janine Reimann, Wissenschaftliche Mitarbeiterin für den Forschungsschwerpunkt Hebammenwissenschaft, ebenfalls aus der Fakultät Ingenieurwissenschaften und Gesundheit. Anne Kasper beschäftigt sich aktuell mit Fragestellungen zur Geburtshilfe und marginalisierten Frauen wie Frauen mit Fluchterfahrung. Janine Reimann forscht unter der Leitung von Anne Kasper zum Thema Regenbogenfamilien und Hebammenarbeit.
Aktuelle Projekte
Nach der Vorstellung der Podiumsteilnehmenden gaben Janine Reimann und Anne Kasper einen Einblick in das Projekt „HERE – Hebammenarbeit in Regenbogenfamilien“, welches im Rahmen der Programmlinie „HAWK als Motor regionaler Innovationsökosysteme in Südniedersachsen“ vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) im Zeitraum vom 01.01.2024 bis zum 30.06.2025 gefördert wurde. Anschließend stellten sie das aktuelle Folgeprojekt „QueerPeriHealth“ vor, dessen Umsetzung mit Gleichstellungspolitischen Mitteln der HAWK finanziert wird.
Idee des Einbezugs von Genderforschung
Die Idee, Genderforschung in Hebammenwissenschaften einzubeziehen, kam den beiden Forschenden durch die Beobachtung von ungleich verteilten Machtstrukturen. Laut Janine Reimann leben wir alle „in einer Welt, in der es Geschlechternormen gibt, z. B. Geschlechtsidentität, doch die Norm der Familie ist ein Konstrukt, in der Realität sind Familien vielfältiger.“ Nicht jede schwangere, gebärende oder kinderbetreuende Person ist eine Frau. Nicht jede Familie besteht aus einer cis-heterosexuellen Partner*innenschaft und Kindern. Und das ist nicht nur in der Forschung von Bedeutung, sondern muss auch in der Lehre mitbedacht werden.
Spannungen in der Forschung
Interessant an ihrer Arbeit sei für Janine Reimann die Spannung zwischen dem Festhalten von Denkgewohnheiten und der Orientierung an Offenheit, also dem „Aushalten von Buntheit“. Anne Kasper war überrascht, dass es bei der Beantragung des ersten Forschungsprojektes viel Aufklärungsarbeit brauchte und gerechtfertigt werden musste, warum das Thema Relevanz hat. Patientinnenzentrierte Versorgung von Frauen sei unhinterfragt binär ausgerichtet, im Sinne von Frauen als Zielgruppe, nicht Gebärende.
Fragen aus dem Publikum
Im Publikum kam die Frage auf, ob es so einfach möglich sei, sich Genderforschung anzueignen und für die eigene Forschung zu nutzen. Anne Kasper meinte dazu: „Es ist schon eine intensive Einarbeitung und Wissensaneignung nötig, die auch noch nicht abgeschlossen ist.“ Diese Kompetenzentwicklung sei jedoch nötig, um Forschungslücken zu schließen. Auch Spannungen aushalten zu können und das Gefühl einen Beitrag zu leisten, seien wichtig.
Checkliste zu Genderaspekten
Während sich die einen intensiv mit Genderforschung auseinandersetzen, gibt es für andere die Möglichkeit, sich auf Basisaspekte zu beziehen, um die Qualität der eigenen Forschung zu verbessern. Hier biete die einfach gestaltete Checkliste zu Genderaspekten der DFG (https://www.dfg.de/de/grundlagen-themen/entwicklungen-im-wissenschaftssystem/diversitaetsdimensionen) Orientierung, so Johanna Redler, Projektmitarbeitende für das HAWK-Netzwerk Genderforschung. Doch wie auch bei der Auseinandersetzung mit Genderforschung, bedarf es bei der Checkliste einer Weiterentwicklung von Denkgewohnheiten. Das HAWK-Netzwerk Genderforschung steht bei Fragen beratend zur Seite.
Fazit
Die Podiumsdiskussion bot einen Einblick in Forschung mit Genderbezug. An der Veranstaltung nahmen 23 Personen teil. Anschließend gab es die Möglichkeit, am Stand des Netzwerks ins Gespräch zu kommen, um Fragen zu erörtern, wie Genderforschung in eigene Projekte oder in die Lehre integriert werden kann. Ein Teilnehmer der Veranstaltung meinte dazu „Wenn es schon das Angebot zu Genderforschung an der HAWK gibt, dann möchte ich das auch in meine Forschung integrieren!“