Im Rahmen des Projektes „Entwicklung einer autonomen dörflichen Sozialen Arbeit“ untersuchten Studierende des Bachelorstudienganges Soziale Arbeit über einen Zeitraum von zwei Semestern die Bedeutung, Entwicklung und soziale Herausforderungen des dörflichen Lebens in Deutschland.  Ausgangspunkt der Untersuchung ist die historische und kulturelle Bedeutung des Dorfes.

Welche Rolle kann eine autonome, dauerhaft verankerte Soziale Arbeit im ländlichen Raum spielen?

Veröffentlichungen zum Projekt

Die Studierenden machten die Erfahrung, dass die Entwicklung einer autonomen dörflichen Sozialen Arbeit ein spannendes und komplexes Vorhaben ist. Eine solche Initiative kann darauf abzielen, die Lebensqualität der Dorfbewohner durch maßgeschneiderte soziale Dienstleistungen und Programme zu verbessern. Dabei geht es auch um die Ermutigung zur Selbstorganisation und Eigeninitiative in der Gemeinschaft, um das Empowerment der Dorfbewohner zu fördern und ihre aktive Mitwirkung zu sichern.

Aus dem Ergebnissen ist eine Veröffentlichung entstanden und eine Sammlung mit nützlichen Links zum Thema.

Studierende präsentieren Konzepte zur autonomen dörflichen Sozialen Arbeit in Bodenburg

Rund einhundert Gäste, darunter die Bundestagsabgeordnete Daniela Rump, zahlreiche Lokalpolitikerinnen und Lokalpolitiker sowie viele interessierte Bodenburgerinnen und Bodenburger, folgten der Einladung ins Clubhaus des VfB Bodenburg. 
Ausgangspunkt ihrer Arbeit war eine scheinbar einfache, in Wahrheit jedoch hochkomplexe Frage:
Wie können Dörfer unter den Bedingungen gesellschaftlichen Wandels lebendige, solidarische und lebenswerte Orte bleiben – oder wieder werden?
Das Dorf blickt auf eine lange Geschichte zurück. Als überschaubare, landwirtschaftlich geprägte Siedlungsform bot es über Generationen hinweg Gemeinschaft, Sicherheit und soziale Nähe. Ge-genseitige Unterstützung, klare soziale Strukturen und gemeinsame Verantwortung prägten das Zu-sammenleben. Doch diese gewachsenen Ordnungen haben sich tiefgreifend verändert. Industriali-sierung, Urbanisierung, demografischer Wandel und Gemeindereformen haben das dörfliche Leben nachhaltig umgestaltet.
Viele Dörfer sehen sich heute mit Abwanderung, Überalterung und dem Verlust zentraler Infrastrukturen konfrontiert. Schulen, Arztpraxen, Geschäfte und Treffpunkte verschwinden zunehmend. Zugleich hat der Verlust lokaler Selbstverwaltung in vielen Orten zu einer Schwächung demokrati-scher Teilhabe und lokaler Identität geführt. Der ländliche Raum erscheint dadurch oft als „peri-pher“, obwohl er für viele Menschen weiterhin Heimat und Lebensmittelpunkt ist.

 


Besonders deutlich wird in diesem Zusammenhang die Bedeutung von Infrastrukturen für soziale Teilhabe. Wo Mobilität fehlt, digitale Anbindung unzureichend ist oder soziale Angebote schwer erreichbar sind, entstehen Isolation und eingeschränkte Lebensperspektiven. Genau hier steht die Soziale Arbeit im ländlichen Raum vor besonderen Herausforderungen.
Denn Dörfer sind ambivalente soziale Räume: Einerseits ermöglichen enge Netzwerke Vertrauen, Nähe und gegenseitige Hilfe. Andererseits erzeugen sie sozialen Druck, hohe Sichtbarkeit und Stigmatisierungsängste. Hilfe anzunehmen fällt oft schwer, weil „man sich kennt“. Große Entfernungen, fehlender öffentlicher Nahverkehr, ein Rückgang des Ehrenamts und zunehmend komplexe Problemlagen verschärfen diese Situation zusätzlich.
Vor diesem Hintergrund entwickelten die Studierenden Konzepte, die nicht von außen übergestülpt, sondern im Dorf selbst verankert sind. Im Zentrum steht die Idee einer autonomen dörflichen Sozialen Arbeit. Autonomie bedeutet hierbei nicht Abschottung, sondern die Fähigkeit, soziale Angebote langfristig, nachhaltig und bedarfsorientiert vor Ort zu gestalten – unabhängig von kurzfristigen Förderlogiken und stets im Dialog mit der Dorfgemeinschaft.
Ein zentraler Schlüsselbegriff ist dabei die Partizipation. Die aktive Einbeziehung der Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner ist keine Ergänzung, sondern Voraussetzung gelingender Sozialer Arbeit im Dorf. Selbstorganisation, Eigeninitiative und Empowerment stärken nicht nur individuelle Handlungsspielräume, sondern auch den sozialen Zusammenhalt. Kooperationen mit Vereinen, Schulen, Kirchengemeinden und lokalen Initiativen sowie gemeinschaftlich finanzierte oder genos-senschaftliche Modelle spielen hierbei eine entscheidende Rolle.
Die vorgestellten Ansätze zielen darauf ab, die Lebensqualität im Dorf zu verbessern – nicht durch fertige Lösungen, sondern durch Impulse, Dialog und gemeinsames Nachdenken. Die Veranstaltung bot Raum für Austausch, Diskussion und neue Perspektiven auf die Soziale Arbeit im ländlichen Raum.
Am Ende stand eine ermutigende Erkenntnis:
Dörfer stehen vor erheblichen sozialen Herausforderungen – verfügen zugleich jedoch über ein großes Potenzial für Gemeinschaft, Solidarität und innovative soziale Lösungen. Eine dauerhaft institutionalisierte, autonome Soziale Arbeit kann dazu beitragen, dieses Potenzial zu entfalten. Nicht nur, indem sie individuelle Hilfe leistet, sondern indem sie das Dorf als sozialen Lebensraum stärkt und aktiv mitgestaltet.
Mit ihren Ergebnissen, Ideen und Anregungen haben die Studierenden hierfür wichtige Impulse gegeben.
 

Eckdaten zum Projekt

Studiengang
B.A. Soziale Arbeit (Hildesheim)

Studienbereich 
Soziales

Zeitraum 
Sommersemester 2025 und Wintersemester 2025/26

Verortung im Studium
Das Projekt ist Teil des zweisemestrigen Projektmodul S12 und erstreckt sich über das 3. und 4. Semester. Im Projektmodul erarbeiten die Studierenden selbstständig unter Begleitung durch Lehrende Lösungen für fachliche, sowohl forschungsorientierte als auch unmittelbar praxisbezogene, Herausforderungen.