Neuer Studiengang am Gesundheitscampus Göttingen einzigartig im Norden

Erscheinungsdatum: 29.03.2019

Am Gesundheitscampus Göttingen, einer Kooperation der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und der HAWK Hochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen, kann jetzt erstmals in Norddeutschland „Soziale Arbeit im Gesundheitswesen“ studiert werden.

Helfen, Hilfe zu bekommen – das ist die Aufgabe der künftigen Sozialarbeiter/innen im Gesundheitswesen. Sie begleiten Patientinnen und Patienten auf dem meist komplizierten Weg durch das Dickicht des Gesundheitssystems, seine Kostenstrukturen, sein kompliziertes Antragswesen oder den manchmal mühevollen Weg, weitere Behandlungsstationen zu organisieren. Sie entwickeln Konzepte zur Patientenversorgung in ländlichen Räumen oder sie planen in Kommunen oder Krankenkassen systematisch eine bestmögliche Versorgung. Auch besonders: Die staatliche Berufsanerkennung als Sozialarbeiter/in ist erstmals an einer staatlichen Hochschule in Niedersachsen als Praxissemester ins Studium integriert. Bei der Entwicklung des Studiengangs hat der Fachverband der deutschen Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen e.V. (DVSG) beraten.  Angeboten werden 30 Studienplätze ab Wintersemester 2019/2020.


Was Absolvent/inn/en werden können

Der siebensemestrige Studiengang bietet das Grundlehrprogramm der klassischen Sozialen Arbeit mit der Spezialisierung auf die Arbeit im Gesundheitswesen. Vorbereitet  werden die Studierenden auf zwei Schwerpunkte: auf die Arbeit direkt mit den betroffenen Menschen ebenso wie auf die Arbeit in Gesundheitsinstitutionen.

•    Beratung von Menschen

Bei der direkten Begleitung, Unterstützung und Beratung von Menschen und ihren Angehörigen beispielsweise in Gesundheitszentren geht es unter anderem um die Koordination von Gesundheitsmaßnahmen, das heißt zum Beispiel, um die Organisation von reibungslosen Übergängen aus der Klinik in die Reha oder in weitere Praxen.  Es geht darum, bei Antragstellungen behilflich zu sein, Verwaltungsprozesse zu kennen und zu begleiten, also um die sogenannte fallbezogene, klientenzentrierte Beratung,  das strukturelle Case Management.

•    Konzepte des  Versorgungsmanagements

In Kommunen arbeiten Sozialarbeiter/innen im Gesundheitswesen zum Beispiel strategisch an Konzepten für die Gesundheitsversorgung mit. Immer mehr Praxen und Angebote in ländlichen Regionen werden wegen Fachkräftemangels geschlossen. Angebot und Struktur der hausärztlichen Versorgung verändern sich, es gibt lange Wartezeiten für Termine bei Fachärzten.  Hier sind Bedarfsanalysen und Konzepte gefragt, die sowohl der patientenorientierten Versorgung, als auch wirtschaftlichen Anforderungen standhalten müssen.

 

Um die Koordination bestmöglicher Versorgung in der Balance zwischen den Bedarfen und medizinischen Maßnahmen geht es auch bei Krankenkassen. Sozialarbeiter/innen im Gesundheitswesen können mit ihrem gebündelten Wissen Prozesse zielgerichteter aus einer Hand gestalten, denn je schneller gezielte Hilfe bei den Patient/inn/en ankommt, desto weniger wird in ineffektive Maßnahmen investiert.

Worum es im Studium geht

Ziel des Studiums ist die am Patienten orientierte Versorgung zu erreichen, damit die Hilfe da ankommt, wo sie benötigt wird. Das Gesundheitssystem zu kennen, zu wissen, welche Leistungen eine Patientin/ein Patient beanspruchen darf, das sind Themenfelder für die Studierenden. Sie lernen grundlegend die Theorien sowie Handlungs- und Kommunikationsformen der Sozialen Arbeit und auch die späteren Handlungsfelder im Gesundheitswesen kennen. Themen wie Digitalisierung, innovative Hilfsmittel, Sicherung der Gesundheitsversorgung in ländlichen Regionen, wie auch Management in Sozial- und Gesundheitseinrichtungen begleiten sie im Studium.  

Interdisziplinär und direkt in den Beruf

Am Gesundheitscampus Göttingen haben die Studierenden einen inhaltlichen und einen organisatorischen Vorteil: Inhaltlich studieren sie interdisziplinär gemeinsam mit Studierenden weiterer Gesundheitsfachberufe wie Pflege, Therapiewissenschaften und Mediziningenieurwesen. Bei Projekten mit Partnerorganisationen können Erfahrungen und Erkenntnisse für beide Seiten gesammelt werden. Organisatorisch ist die Staatliche Anerkennungszeit als Praxissemester im Studiengang Soziale Arbeit im Gesundheitswesen erstmals in Niedersachsen bei Soziale Arbeit in die Studienzeit integriert.

Kooperationsnetzwerk Südniedersachsen

Für das Praxissemester im fünften Semester sind insbesondere regionale Partnerorganisationen mit dem Gesundheitscampus im Gespräch – ein Kooperationsnetzwerk ist im Aufbau.

Aus Kooperationspartnerinnen und -partnern können so auch Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber werden. Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs Soziale Arbeit im Gesundheitswesen arbeiten in Beratungsstellen, Sozial- und Pflegediensten, in Sozial- oder Gesundheitsreferaten von Kommunen und Gemeinden, für Krankenhäuser oder für Krankenkassen. Ihnen stehen auch berufliche Wege in die Versorgungsforschung, in die Politikberatung oder die Arbeit für  Interessenverbände offen. Bundesweit gibt es unterdessen sechs Studiengänge der Sozialen Arbeit im Bereich Gesundheitswesen mit jeweils unterschiedlichen Ausrichtungen. Das Interesse der Studieninteressierten und Arbeitgeber: massiv steigend. Im Mittelpunkt des Studiengangs am Gesundheitscampus Göttingen steht das Thema Gesundheitsversorgung.

 

UMG und HAWK

Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Sprecher des Vorstandes der UMG, sieht auch in diesem Studiengang des Gesundheitscampus Göttingen eine innovative Kraft für die Region Südniedersachsen: „Wir wissen um den demografischen Wandel der Gesellschaft, gerade auch im ländlichen Raum. Die Menschen werden älter und bleiben häufiger alleine. Da braucht es mehr professionelle Unterstützung, Beratung und Begleitung. Der neue Studiengang zielt genau in diese Richtung und hilft, diese Lücke zu schließen.“

Dr. Marc Hudy, HAWK-Präsident: „Menschen sicher und verlässlich durch ein inzwischen völlig unübersichtlich gewordenes Gesundheitssystem zu führen, die vielen Angebote passend auf die Patientensituation nutzbar zu machen, reibungslose Schnittstellen zwischen den Institutionen zu schaffen und damit letztlich eine große Organisations- und Verwaltungslast von denjenigen zu nehmen, die das Gesundheitswesen aus unterschiedlich schwerwiegenden Gründen in Anspruch nehmen müssen  – darauf werden wir unsere Studentinnen und Studenten vorbereiten.“

 

Gesundheitscampus Göttingen

Start: WS 2016
Ort: Sartorius-Gelände, Weender Landstraße, Göttingen

Studiengänge:

  • Pflege
  • Therapiewissenschaften
  • Mediziningenieurwesen
  • Soziale Arbeit im Gesundheitswesen (ab WS 2019/2020)

Studierendenzahlen:

  • Studierende Gesundheitscampus aktuell: rund 190
  • Studierende Gesundheitscampus im ausgebauten Zustand: rund 550
  • Studierende HAWK-Fakultät Naturwissenschaften und Technik (organisatorisches Dach des Gesundheitscampus Göttingen): rund 860

Ausblick:
Im nächsten Schritt werden die Masterstudiengänge Pflege und Mediziningenieurwesen für den Gesundheitscampus Göttingen entwickelt.

 

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Diana Heiman
Studiengangskoordinatorin I Soziale Arbeit – Schwerpunkt Gesundheit
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