IQ Projekt EXIK zieht Bilanz nach vier Jahren Projektarbeit

Erscheinungsdatum: 13.12.2022

Seit dem Projektstart im Jahr 2019 verfolgte das an der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen angesiedelte IQ Projekt „EXIK-Existenzgründung und Vernetzung Interkulturell“ das Ziel, die Strukturen für migrantische Gründungen in Kassel (Stadt und Landkreis) und dem Schwalm-Eder-Kreis durch Vernetzung, Information und Qualifizierung zu verbessern. Nun läuft das Projekt zum Jahresende aus. Die entstandenen Strukturen und einige Angebote für Gründer*innen sollen aber weiter bestehen bleiben.

Bislang wurden migrantische Existenzgründer*innen und Unternehmer*innen häufig zu wenig wahrgenommen und selten von den für Gründungen zuständigen Institutionen als Zielgruppe adressiert. Dabei stellen Unternehmensgründungen von Bürger*innen mit Migrationshintergrund, nicht zuletzt aufgrund negativer, demographischer Entwicklungen und deren Folgen, wichtige Potentiale dar. Sie füllen Versorgungslücken im Bereich Pflege, Lebensmit-tel, Handwerk oder anderen Dienstleistungen, schaffen Arbeitsplätze und damit Einnahmen für die Kommunen und können in von Leerständen geprägten Innenstädten neue Impulse setzen.

Zudem gibt es wenig Austausch zwischen „Wirtschaft“ und „Integration“: Einrichtungen für Gründungsberatung und soziale Dienste, die mit Migrant*innen arbeiten, sowie Organisationen von Migrant*innen stehen selten miteinander in Kontakt. Insofern gibt es einen deutlichen Bedarf nach interkultureller Öffnung, damit die Angebote auch migrantische Gründungsinteressierte und Unternehmer*innen erreichen.

In Gesprächen, Vernetzungstreffen und Workshops hat das Team von EXIK daher gezielt auf die speziellen Bedarfe der Zielgruppe hingewiesen und Gründungsberatungseinrichtungen sensibilisiert. „Im Bereich Vernetzung wurden Veranstaltungen für Multiplikator*innen aus dem Integrations- und Bildungsbereich, Migrant*innenorganisationen sowie Gründungsberatung und Wirtschaftsförderung angeboten“, so Projektleiter Prof. Dr. Jörg Lahner von der HAWK. „Die Beteiligten konnten sich gegenseitig und die jeweiligen Angebote kennenlernen und mögliche Kooperationen ausloten.“

Niedrigschwellige Informationsveranstaltungen halfen Gründungsinteressierten, sich zum Thema Existenzgründung zu informieren und Kontakte zu Berater*innen zu knüpfen. Aufgrund der Covid-19-Pandemie und der damit einher-gehenden Verlegung der Angebote auf digitale Formate, ergaben sich neue Chancen, aber eben auch Herausforderungen. Positiv waren ortsunabhängige und flexiblere Teilnahmemöglichkeiten. Dass das digitale Format nur schwer den persönlichen Austausch ersetzt, der für die Zielgruppe und die Vernetzung mit den unterschiedlichen Teilnehmenden ein zentraler Faktor ist, sollte sich jedoch rasch zeigen. In der Folge war die Kontaktaufnahme, aber vor allem die Etablierung eines anhaltenden, vertrauensvollen Austauschs erschwert.

„In den letzten vier Jahren haben wir viele Anfragen von Gründungsinteressierten mit Migrationshintergrund angenommen, bearbeitet und an die entsprechenden Stellen verwiesen“, berichtet Projektkoordinatorin Sarah Metz. Die Potenziale der Gründungen durch Menschen mit Migrationshintergrund seien aber noch längst nicht ausgeschöpft. Aus diesem Grund ist es dem Projektteam in der vergangenen Projektlaufzeit ein wesentliches Anliegen gewesen, migrantische Gründer*innen durch gezielte Infoveranstaltungen umfassend über das Gründungssystem in Deutschland und individuelle Themen und Fragestellungen zum Gründungsprozess zu informieren.

Zukünftig bedürfe es laut dem Projektteam einer stetigen und nachhaltigen Beschäftigung mit dem Thema, um auch über das Projektende im Dezember 2022 hinaus, Gründer*innen durch niedrigschwellige Veranstaltungen mit entsprechenden Informationen zu versorgen. Die durch EXIK initiierten Kooperationen zwischen Migrant*innenorganisationen, Bildungs- und Integrationseinrichtungen auf der einen und Gründungsberatungen sowie Wirtschaftsorganisationen auf der anderen Seite müssten weiterhin bestehen und gepflegt werden, um Grün-der*innen optimal ins Gründungsökosystem einzubinden.

Für diesbezügliche Perspektiven sorgt das Beratungs- und Weiterbildungsunternehmen RKW Hessen, das die entstandenen Strukturen weiterhin nutzen und gezielt auf migrantische Existenzgründer*innen ausrichten will. Der vom RKW bereits etablierte Sprechtag für Gründer*innen mit Migrationshintergrund soll diese Zielgruppe besser ansprechen und Hemmschwellen der Kontaktaufnahme abbauen. Auch ein „Basisseminar: Selbstständigkeit in Deutschland“ ist für 2023 geplant.

Die EXIK-Infobroschüren für Kassel und den Schwalm-Eder-Kreis über Gründungsberatungsangebote (zweisprachig) stehen weiterhin auf der HAWK-Website (https://www.hawk.de/de/forschung/forschungsprojekte/existenzgruendung-und-vernetzung-interkulturell) zur Verfügung und auch der Workshop „Vielfalt in der Gründungsberatung“ wird ab 2023 in das Weiterbildungsangebot der HAWK aufgenommen.

„Zu bedauern ist, dass der Bereich „Migrantische Gründungen“ in der Konzeption und Finanzierung der IQ-Netzwerke nicht weiter berücksichtigt wird“, findet Projektleiterin Prof. Dr. Leonie Wagner. Damit würden nicht nur Chancen vergeben, sondern auch die in diesem Bereich weiterhin notwendige interkulturelle Öffnung der bestehen-den Angebote nicht weiter unterstützt. „Während die vorherigen Bundesregierungen dem Thema für Wirtschaft und Integration eine hohe Bedeutung zugesprochen heben, fehlt diese gründungsorientierte Perspektive jetzt vollständig.“

 

Das Projekt

Das Projekt EXIK ist operativer Partner im IQ Netzwerk Hessen und wird von der HAWK Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen in Holzminden durchgeführt. Es zielt darauf ab, migran-tische Unterstützungsstrukturen in Kassel (Stadt und Landkreis) und dem Schwalm-Eder-Kreis zu stärken. Gefördert wird es durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der Bundesagentur für Arbeit (BA) unterstützt.