Interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Kindheitspädagogik und Gestaltung

Erscheinungsdatum: 16.07.2026

Im Rahmen des Ferienprojekts „Kinder-Stadt Laatzen“ wurde die Kinder-Uni zu einem Bildungs- und Erprobungsraum für das Projekt „MAKE“ der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim, Holzminden, Göttingen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Kinder in offenen Materialarrangements eigene Ideen entwickeln, gestalterische Entscheidungen treffen und sich forschend mit ihrer Umwelt auseinandersetzen. Die Kinder-Uni verband damit ein öffentliches Bildungsangebot mit einem hochschulischen Lehr- und Forschungssetting.

Das Konzept orientiert sich an Ansätzen der Maker Education: Lernen wird dabei als aktiver, materialgebundener und ko-konstruktiver Prozess verstanden. Ton, Draht, Naturmaterialien, Schwämme, Farben und weitere offene Materialien werden dabei nicht für festgelegte Produkte bereitgestellt, sondern als Materialbuffets arrangiert. Sie eröffneten somit den Kindern Spielräume zum Erkunden, Konstruieren, Verwerfen und Weiterentwickeln eigener Lösungen.
Die Angebote bei der Kinder-Uni gestalteten die drei HAWK-Fakultäten Soziale Arbeit und Gesundheit, Gestaltung sowie Bauen und Erhalten. Studierendenausweise, Fakultätsstempel und ein Kinder-Uni-Diplom machten den Hochschulcharakter spielerisch erfahrbar. Nach dem Besuch von mindestens zwei Fakultäten erhielten die Kinder ihr Diplom, das innerhalb der Kinder-Stadt mit besonderen Rechten verbunden war.

 


Eine zentrale Besonderheit war die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Studierenden der Kindheitspädagogik und der Gestaltung. Die Studierenden der Kindheitspädagogik brachten ihre Kenntnisse zu kindlichen Bildungsprozessen, Beteiligung und pädagogischer Interaktion ein. Sie begleiteten die Kinder aufmerksam, griffen deren Fragen und Ideen auf und unterstützten, ohne Gestaltungswege vorzugeben. Studierende der Gestaltung konzentrierten sich auf Materialität, Form, Farbe und Präsentation. Sie entwickelten ästhetisch anregende Arrangements und eröffneten Zugänge zu unterschiedlichen gestalterischen Verfahren. In der Zusammenarbeit beider Fachrichtungen wurden pädagogische und gestalterische Perspektiven aufeinander bezogen und gemeinsam weiterentwickelt.


Die Beobachtungen zeigten, dass Ideen häufig erst im praktischen Tun entstehen. Die Aussage eines Kindes – „Keine Ahnung, ich mache einfach“ – verweist daher nicht auf fehlende Planung, sondern auf einen explorativen Zugang: Materialeigenschaften werden wahrgenommen, Möglichkeiten erprobt und Entscheidungen schrittweise hervorgebracht. Die Studierenden konnten solche Prozesse unmittelbar beobachten, fachlich deuten und ihr eigenes Handeln reflektieren. Die Kinder-Uni wurde so zugleich zu einem Lernraum für Kinder und zu einem praxisnahen hochschuldidaktischen Erfahrungsraum für die beteiligten Studierenden.
Das Projektteam begleitete die Aktivitäten durch teilnehmende Beobachtungen sowie Foto- und Videoaufnahmen im Rahmen der vorliegenden Einverständniserklärungen. Ausgewählte Arbeiten wurden zudem mit der App ShatterPix digital weiterbearbeitet: Die Kinder fotografierten ihre Objekte und ergänzten kurze gesprochene Botschaften. Damit wurden analoge Materialerfahrungen mit digitalen Ausdrucksformen verbunden.


Die Kinder-Uni verdeutlicht das Potenzial offener Lernumgebungen als Bildungs-, Lehr- und Forschungsräume. Kinder erfahren Selbstwirksamkeit, indem sie eigene Fragen verfolgen und Wissen im Umgang mit Materialien hervorbringen. Zugleich erproben Studierende beider Fachrichtungen interdisziplinäre Zusammenarbeit und entwickeln ein differenziertes Verständnis dafür, wie pädagogische Begleitung, Materialauswahl und räumlich-ästhetische Gestaltung Bildungsprozesse beeinflussen.