Erster Gründerinnen-Campus an der HAWK stärkt unternehmerisches Denken
Das Pilotformat richtete sich gezielt an HAWK-Studentinnen und -Absolventinnen mit konkreten Gründungsideen. „Wir waren schon bei den Bewerbungen sehr überrascht, wie qualitativ hochwertig diese waren. Und da merkt man wieder, es schlummert richtig viel in dieser Hochschule, und das muss man wirklich fördern“, sagt Mit-Organisatorin Elisabeth Mach zur Ausrichtung. Zehn Projekte wurden ausgewählt und intensiv betreut. Im Vorfeld hatten sich alle Teilnehmerinnen mit Kurzbeschreibungen ihrer Gründungsideen beworben.
Am ersten Tag ging es um Grundlagen: von den „Stages einer Gründung“ über Finanzierung, Förderprogramme und Investmodelle bis hin zu „Empowerment“. Eine Plenumsdiskussion mit 3 Gründerinnen gab Einblicke in Gründungswege und Herausforderungen. Der zweite Tag fokussierte Zahlen, Teamfragen und die Vorbereitung der Pitches. Eine Expertin der Sparkasse Hildesheim Goslar Peine erläuterte den Zahlenteil eines Businessplans und welche Kreditmöglichkeiten es gibt. Weitere Inputs behandelten Teamaufbau und Führung. Am Nachmittag präsentierten alle Teilnehmerinnen ihre Ideen in 5-minütigen „Pitches“, die Jury vergab im Anschluss Preise in den Kategorien „Impact“ und „Innovation“.
„Uns ist aufgefallen in den letzten Semestern, dass es Unterschiede zwischen Studentinnen und männlichen Studierenden gibt“, erzählt Mach aus ihrem Alltag bei HAWK Gründung. Während Männer früh nach Businessplänen und Verträgen fragten, stellten viele Studentinnen zunächst andere Fragen: „Schaffe ich das? Kann ich das? Wer hilft mir? Darf ich das?“ Diese Aspekte würden in der Lehre kaum adressiert. Der Campus sollte daher einen geschützten Rahmen bieten. „Vor allem, weil die Frauen, wenn sie untereinander sind, anders reden“, erklärt Mach.
Auch Referentin Madeleine Deppe, Gründerin des Netzwerks „She Who Dares“, betont die Bedeutung solcher Räume: „Man ist einfach in einem geschützten Raum. Man traut sich auch, über Sachen zu sprechen, über die man nicht sprechen würde, wenn Männer dabei sind.“ In ihrem Workshop ging es um Mindset und Selbstvertrauen. „Dass ich erstmal an erster Stelle an mich selbst glaube und den Mut habe, überhaupt loszugehen“, beschreibt sie das Ziel.
„Besonders wichtig war es, die letzten zwei Tage Vorbilder zu erleben“, so Mach. Viele Teilnehmerinnen hätten keine Unternehmerinnen im Umfeld.
Zu den externen Referentinnen gehörte auch die Hildesheimer Fotografenmeisterin Dorit Schulze: „Ich war eine von drei eingeladenen Gästinnen, die zum Thema Selbstständigkeit und Gründung gefragt wurden.“ Seit elf Jahren ist sie selbstständig und sie beantwortete viele Fragen zu Anfängen und Krisen. Ihr Rat: „Man soll hinter seiner Idee stehen und sein Ziel verfolgen, sich fokussieren sowie Hilfe annehmen und Mentor*innen suchen, die einen unterstützen.“
In der Jury saß sie mit Deppe und Prof. Dr. Christoph Kohlbeck. „Ich war beeindruckt, wie manche dastanden und souverän geredet haben, so, als ob sie nie etwas anderes machen“, sagt Schulze. „Man sieht den Menschen an, dass sie dafür gebrannt haben. Das hat man bei allen gesehen.“
Den Impact-Preis erhielt Elisa Lierz, Studentin der Kindheitspädagogik. Sie entwickelt Workshops für Kitas: „Wir möchten Workshops nicht nur als reine Fortbildungsart, sondern in denen Kinder auch Teil davon sind.“ Konkret sind modulare Bausteine geplant, in denen Fachkräfte gemeinsam mit den Kindern spielerische Übungen zu Wertschätzung, Kommunikation und Stressabbau integrieren. Ziel sei mehr Freude im Kita-Alltag.
Den Innovationspreis gewann Emely Hesse mit ihrer App Erkundbar für sehbehinderte Menschen: „Mit der App wollen wir den Weg zu einer zugänglicheren Stadt ebnen.“ Über die App können Nutzer*innen Barrieren im Ort melden, sich zu barrierearmen Routen informieren und Erfahrungen austauschen, sodass ein laufend aktualisiertes Lagebild für Sehbeeinträchtigte entsteht.
Die Resonanz vorab spreche für eine Fortsetzung, so Elisabeth Mach: „Wir hatten ursprünglich gedacht, vielleicht bewerben sich 5, vielleicht 10. Aber es haben sich schon noch mehr gemeldet.“
Aus Sicht der Mentorinnen fungierten insbesondere die Pitches am Ende als Übungsfeld für den Ernstfall. „Jeder Pitch ist ja im Grunde ein Training für das normale Leben, was danach kommt“, sagt Madeleine Deppe. Egal ob vor Kundschaft oder in Unternehmen – immer wieder gehe es darum, Ideen strukturiert und überzeugend zu präsentieren.