Gesundheitsminister Philippi betont die Innovationskraft des Kooperationsprojekt

Erscheinungsdatum: 01.10.2026

Der Gesundheitscampus Göttingen hat sein 10-jähriges Bestehen mit einer Jubiläumsfeier in der Göttinger Sheddachhalle gefeiert. Niedersachsens Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi hob in seinem Vortrag die Bedeutung des besonderen Kooperationsprojekts hervor.

66 Studierende zählte der Gesundheitscampus Göttingen, eine Kooperation der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen und der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), im Herbst 2016. Damals starteten die ersten Kohorten der beiden Studiengänge Therapiewissenschaften und Pflege in ihr Studium. 10 Jahre später zählt der Gesundheitscampus Göttingen 9 Studiengänge, die mit 700 Studierenden voll ausgelastet sind. 90 Mitarbeitende sind inzwischen auf dem Campus im Sartoriusquartier tätig.

Studieninteressierte können mittlerweile zwischen den Bachelorstudiengängen Pflege (dual), Hebammenwissenschaft, Therapiewissenschaften (dual), Orthobionik, Medizintechnik sowie Soziale Arbeit im Gesundheitswesen wählen. Auf Masterebene werden Medizintechnik sowie Gesundheit und Innovation in der Sozialen Arbeit (GISA) angeboten.

 

Nun geht der Gesundheitscampus mit dem Projekt „IPSO@GCG – InterProfessionell Studieren: Perspektiven Öffnen“ einen weiteren großen Schritt in Richtung Zukunft. UMG und HAWK erarbeiten derzeit einen hochschulübergreifenden interprofessionellen Lehrplan für Medizinstudierende und für Studierende anderer Gesundheitsberufe. An interprofessionellen Ausbildungsstationen (IPSTA) an der UMG sollen künftig Studierende beider Hochschulen und Auszubildende gemeinsam Patient*innen versorgen.

Insgesamt habe sich das besondere Konzept des Gesundheitscampus Göttingen mit der Kooperation von UMG und HAWK zu einem Erfolgsmodell für Niedersachsen entwickelt, betonte Niedersachsens Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi in seinem Vortrag zur Jubiläumsfeier. „Der Gesundheitscampus Göttingen bündelt Ausbildung, Forschung und Transfer an einer Stelle und überwindet damit die traditionelle Trennung zwischen Gesundheitsfachberufen, klinischer Versorgung und technischer Entwicklung. Das Projekt IPSO@GCG ist dabei ein hervorragendes Beispiel, wie die konkrete interdisziplinäre Zusammenarbeit die Versorgung von Patient*innen in Niedersachsen weiter verbessern kann.“ Gleichzeitig zeige der Erfolg von Prof. Dr. Christoph Rußmann, der mit seinem Forschungsprojekt FEMTOMICS einen ERC Advanced Grant einwerben konnte, welche Innovationskraft im Gesundheitscampus stecke. „Dass Prof. Rußmann als erster Wissenschaftler einer deutschen HAW diese Auszeichnung erhält, ist auch eine Würdigung des Projekts Gesundheitscampus“, so Philippi.

Auch Prof. Dr. Wolfgang Brück, Sprecher des Vorstandes und Vorstand Forschung und Lehre der UMG, ist überzeugt vom Konzept: „Der Gesundheitscampus Göttingen ist seit zehn Jahren ein bundesweit herausragendes Beispiel dafür, wie Universitätsmedizin und Hochschule gemeinsam neue Wege in der Ausbildung von Gesundheitsberufen gehen können. UMG und HAWK verbinden hier wissenschaftliche Grundlagen mit praktischer Erfahrung und stärken zugleich die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen. Damit setzt der Gesundheitscampus wichtige Impulse für die Gesundheitsversorgung der Zukunft,“ so Brück.

„Der Gesundheitscampus ist nicht nur für die HAWK und die UMG eine Erfolgsgeschichte“, betont Prof. Katja Scholz-Bürig, HAWK-Vizepräsidentin für Studium und Lehre. „Mit der Akademisierung der Gesundheitsberufe und innovativen Lehrkonzepten können wir einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsversorgung in Südniedersachsen leisten und darauf sind wir sehr stolz.“ Nicht zuletzt würden die Studierendenzahlen in den 9 Studiengängen für sich sprechen. „Mit dem Studienangebot treffen wir ganz offensichtlich den Nerv junger Menschen – auch und besonders in Zeiten, in denen Künstliche Intelligenz für unsichere Zukunftsperspektiven sorgt.“

In seinem Vortrag gab Prof. Dr. Christoph Rußmann, Dekan Gesundheit an der HAWK-Fakultät Ingenieurwissenschaften und Gesundheit, einen Über- und Ausblick: Der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften im Gesundheitswesen wachse, zugleich sei die Nachfrage von Studieninteressierten groß. „Darum wollen wir unser Angebot in den kommenden Jahren auf über 1.000 Studienplätze ausweiten. Mit dem Gesundheitscampus haben wir ein wichtiges Angebot zur richtigen Zeit geschaffen. Ich blicke äußerst zuversichtlich auf die nächsten 10 Jahre.“

Über das Projekt „IPSO@GCG – InterProfessionell Studieren: Perspektiven Öffnen“

IPSO@GCG ist ein kooperatives Verbundvorhaben unter Federführung der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), in dem gemeinsam mit der HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen neue, hochschulübergreifende Lehrformate entwickelt werden. Ziel ist es, die fachübergreifende Zusammenarbeit verschiedener Gesundheitsberufe bereits während des Studiums systematisch zu fördern und so Perspektiven zu öffnen, die Versorgungsqualität zu stärken und Teamkompetenzen nachhaltig auszubauen.

Am Gesundheitscampus Göttingen erarbeiten UMG und HAWK hierfür einen hochschulübergreifenden interprofessionellen Lehrplan, der Medizinstudierende und Studierende weiterer Gesundheitsberufe zusammenführt. Ein zentrales Element bilden interprofessionelle Ausbildungsstationen (IPSTA) an der UMG: Hier sollen künftig Studierende beider Hochschulen sowie Auszubildende in multiprofessionellen Teams gemeinsam Patient*innen versorgen und praxisnah voneinander und miteinander lernen.
Das Projekt ist am 1. Juli 2026 gestartet und wird von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre mit 3,3 Millionen Euro gefördert.

Über den ERC Advanced Grant für FEMTOMICS

Professor Dr. Christoph Rußmann, Dekan am Gesundheitscampus Göttingen, hat im Juni 2026 für sein Forschungsprojekt „FEMTOMICS“ den renommierten ERC Advanced Grant erhalten und ist damit der erste Wissenschaftler einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW), dem diese Auszeichnung zugesprochen wurde. Das Förderprogramm des European Research Council zählt zu den international anerkanntesten und wettbewerbsintensivsten Linien der Spitzenforschung. Mit FEMTOMICS erforschen Rußmann und sein Team die dynamischen Prozesse, die die Aktivität von Genen steuern. Dafür entwickeln die Forschenden eine neuartige Technologieplattform, die modernste Lasertechnologie mit Methoden der Genomik, Proteomik und Künstlichen Intelligenz (KI) verbindet. Der ERC Advanced Grant stellt hierfür 2,5 Millionen Euro über fünf Jahre bereit und ermöglicht, diese Forschung konsequent voranzutreiben.

Der Gesundheitscampus Göttingen – Hintergrund und Geschichte

Der Gesundheitscampus ist eine Kooperation der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen, Fakultät Ingenieurwissenschaften und Gesundheit und der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Er ist organisatorisch an der Fakultät Ingenieurwissenschaften und Gesundheit angesiedelt.

 

Nachdem es bereits erfolgreiche Kooperationen in der Forschung gegeben hat, beginnen 2013 erste konkrete Gespräche zwischen HAWK und UMG zur Gründung eines Gesundheitscampus in Göttingen. Ziel ist die Errichtung gemeinsamer Studiengänge zur Akademisierung der Gesundheitsfachberufe. Die UMG als größter Arbeitgeber in Göttingen reagiert damit auf die Herausforderungen des demografischen Wandels und den sich abzeichnenden Fachkräftemangel, um dauerhaft qualifizierte Beschäftigte aus der Region zu gewinnen und zu halten.

Im Februar 2015 kündigt der damalige Ministerpräsident Stephan Weil den Gesundheitscampus im Rahmen der Präsentation des Südniedersachsenprogramms in Einbeck an, im September folgt die konstituierende Sitzung des Gründungsdirektoriums.

Im darauffolgenden Jahr unterzeichnen HAWK und UMG den Kooperationsvertrag. Der Gesundheitscampus Göttingen ist in dieser Form, der Zusammenarbeit einer universitären medizinischen Fakultät und einer Hochschule, ein bundesweit einmaliges Vorhaben. Er soll auf dem Gelände des Sartoriusquartiers in Göttingen angesiedelt werden. Ein erster Mietvertrag wird unterzeichnet.

Ebenfalls im September 2016 starten die ausbildungsintegrierenden, dualen Bachelorstudiengänge Pflege und Therapiewissenschaft mit den Studienrichtungen Physiotherapie und Logopädie mit 66 Studienplätzen.

Zum Wintersemester 2017/2018 startet der Studiengang Mediziningenieurwesen (heute Medizintechnik) als Bachelor of Engineering mit 30 Studienplätzen. 2019 folgt der Bachelorstudiengang „Soziale Arbeit im Gesundheitswesen“, ebenfalls mit 30 Studienplätzen und zum Wintersemester 2020/21 der Bachelorstudiengang Hebammenwissenschaft. Mit letzterem wird die seit Jahren erfolgreich an der Bildungsakademie der UMG durchgeführte Hebammenausbildung zu einem qualifizierten akademischen Studiengang weiterentwickelt, der internationalen Richtlinien entspricht und dem Berufsstand der Hebammen wissenschaftliche Wege und Qualifikationen eröffnet.

Nachdem im Jahr 2020 die ersten Absolvent*innen verabschiedet werden, bringt der Gesundheitscampus Göttingen mit Medizintechnik (M.Eng) den ersten Masterstudiengang an den Start. Dieser knüpft inhaltlich an den Bachelorstudiengang Medizintechnik an.

Nachdem der Gesundheitscampus Göttingen für gut 2 Jahre, aufgrund von Umbaumaßnamen im historischen Gebäude im Sartoriusquartier, übergangsweise in das ehemalige Telekom-Gebäude in der Philipp-Reis-Straße ausweichen musste, kann er zum Wintersemester 2021 in die Räume im Sartoriusquartier zurückkehren.

Im August 2022 besucht der damalige Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach den Gesundheitscampus Göttingen, um sich über die Bereiche Pflege und Hebammenwissenschaft zu informieren und bei einer Podiumsdiskussion Fragen der Fachkräfteausbildung und -gewinnung sowie Herausforderungen der jeweiligen Berufsgruppen zu diskutieren. „Der Gesundheitscampus hat mich sehr überzeugt“, resümiert Lauterbach seinen Besuch. „Das Konzept scheint schlüssig zu sein, praxisnahe Ausbildung an einem Fleck zusammenzubringen. Das ist insgesamt ein Weg, den man gehen muss.“

In enger Zusammenarbeit mit dem Prothesenhersteller Ottobock nimmt der Gesundheitscampus Göttingen 2023 den Bachelorstudiengang Orthobionik in sein Angebot auf. Damit wird der Studiengang in Niedersachsen erstmalig an einer staatlichen Hochschule angeboten. 2024 startet der bundesweit einzigartige Masterstudiengang „Gesundheit und Innovation in der Sozialen Arbeit“.

Seit dem Wintersemester 2025/26 bietet die Medizinische Fakultät der UMG in Kooperation mit dem Gesundheitscampus Göttingen den Bachelorstudiengang Praxisorientierte Pflegewissenschaft an und komplettiert damit das aktuelle Studienangebot am Gesundheitscampus Göttingen. Aktuell studieren rund 700 Menschen am Gesundheitscampus Göttingen, HAWK und UMG planen, das Angebot auf mehr als 1.000 Studienplätze zu erweitern.