HAWK-Prof. Dipl.-Ing. Jutta Trautmann lehrt seit 25 Jahren in Holzminden

Erscheinungsdatum: 04.09.2026

Prof. Dipl.-Ing. Jutta Trautmann lehrt an der Fakultät Management, Bauen, Immobilien der HAWK am Standort Holzminden im Bachelorstudiengang Green Building in den Themenbereichen Gebäudetechnik und Energieoptimierung. Und schaut auf 25 Jahre in der Lehre am Standort Holzminden zurück. Im Interview erklärt sie, was für sie den Studiengang ausmacht, welche Inhalte es gibt und welche Berufsperspektiven sich für die Studierenden dadurch eröffnen.

Green Building bedeutet für mich

Grundsätzlich verstehe ich unter Green Building eine Art des Bauens, welches die Umwelt in den Mittelpunkt jeglicher Denkprozesse stellt. Unter „Umwelt“ verstehe ich dabei die bebauten und unbebauten Lebensräume sowie Ideen zur sinnvollen sozialen Interaktion. Bau, Nutzung und Rückbau sollten möglichst ressourcenschonend und emissionsarm ablaufen. Dabei müssen wir uns klarmachen, dass das konventionelle Bauen der Umwelt im Wesentlichen schadet. Unter Green Building versteht man also die Quadratur des Kreises – es ist keine leichte Aufgabe, denn wir müssen das herkömmliche Bauen in Frage stellen. 

 

Wir müssen neu denken, neue Prioritäten setzen und schauen, wie weit wir gehen können. Es gibt keine generellen Festlegungen, keine Diktatur des Grünen Bauens oder Gleichmacherei, sondern die Freiheit unter vielen Möglichkeiten das geeignete Konzept für reale Personen zu finden, sodass diese sich mit den eingesetzten Materialien und dem Raumklima wohlfühlen, auch falls man die Wohnfläche einschränkt oder Konzepte entwickelt, die das „Miteinander“ zum Thema machen. 

Denn es kann nicht alles genauso sein, wie bei einem konventionellen Gebäude. Ein „Green Building“ ist kein konventionelles Gebäude, das ein bisschen „öko(logisch)“ ist. Es ist das, was Sie daraus machen, wenn Sie die Aufgabe haben, ein Gebäude zu entwickeln, das mehr nützt als schadet.

Zu den Inhalten im Studium

Im Studium entwickeln die Studierenden ein Gebäude, das den zuvor beschriebenen Kriterien entsprechen soll. Wir entwerfen nicht, um uns dann zu überlegen, wie wir den Entwurf umsetzen, sondern entwickeln Gebäude aus der Konstruktion heraus. Am Computer entstehen Bauprojekte, die im Zeitraffer wachsen. Wir bauen im 2. Semester mit linearen Holzelementen und stellen diese auch zeichnerisch dar. So eine Holzkonstruktion folgt ihren eigenen Regeln und hat auch ihre ganz eigene Ästhetik. 

 

Parallel dazu befassen wir uns mit dem Phänomen des Details. Wir versuchen Details ganz grundsätzlich zu lesen, zu verstehen und passend für das geschaffene Gebäude zu interpretieren. Wir prüfen die Energieeffizienz eines jeden Gebäudes, um ein Gefühl für die erreichten Werte zu bekommen. Wir wollen die gestalterischen Unterschiede auch energetisch erleben und verstehen, was die jeweilige Maßnahme bewirkt.

 Man kann etwas ausprobieren oder einfach entstehen lassen. Es gibt nicht den einen richtigen Weg, den man finden muss, sondern viele, oft auch sehr persönlich geprägte Lösungen.

Wo ich die Studierenden in der Berufstätigkeit sehe …

Die Studierenden haben durch ihre Ausbildung eine Leuchtturmpositionierung, die sie sowohl in einem Architekturbüro wie auch in einem Planungsbüro für Gebäudetechnik einnehmen können. 

Sie sind in der Lage Simulationen, Planungen und Bemessungen durchzuführen, aber auch das zu entwerfende Gebäude energetisch zu bewerten und neue Wege in Entwurf und Konstruktion zu beeinflussen. 

Die Absolvierenden haben ihre Position in einem Team, wo sie in der Lage sind, Orientierung und Sicherheit beim nachhaltigen Planen und Bauen zu geben.

Woher ich komme

Ich bin Architektin und habe sowohl bei nationalen und internationalen Architekturbüros, wie auch als Freie Architektin mit eigenem Büro gearbeitet. Die Projekte waren oftmals recht groß, sodass vielfältige Fachplanungskräfte mit am Tisch saßen, deren Perspektive für mich immer interessanter wurde. Diese Koordinationsaufgabe hob sich durch meine Tätigkeit an der Universität Stuttgart, wo ich thematisch für Gebäudetechnik und Entwerfen zuständig war, auf eine „wissenschaftliche Ebene“. 

 

Es ging mir dabei um das Verbindende zwischen den Bereichen und die Erkenntnis, dass wenn Innovation entstehen soll, alle Baubereiche von der Tragwerksplanung bis zur Gebäudetechnik umdenken müssen. Es wäre für mich „unspannend“ Gebäude zu konzipieren, bei denen man sich nicht ein bisschen über das Konventionelle und Altbekannte hinausbewegt. 

An der HAWK bin ich seit 2001 für die Themenbereiche Gebäudetechnik und Energieoptimierung berufen.