Niedersächsischen Netzwerk für Genderforschung an der HAWK in Hildesheim
Die Jahrestagung widmet sich jährlich einem spezifischen Themenschwerpunkt; in diesem Jahr standen „Arbeits- und Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen” im Fokus. Prof. Dr. Leonie Wagner, Sprecherin des HAWK-Netzwerks Genderforschung, betonte in ihrer Begrüßungsrede die Bedeutung dieser Veranstaltung im Kontext der zukünftigen Verleihung des Promotionsrechts an Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Niedersachsen: „Die HAWs sind bestens vorbereitet für diese Aufgabe.“ Die präsentierten Projekte umfassten eine Vielzahl von Disziplinen und gesellschaftlich sowie wissenschaftlich relevanten Fragen, darunter Themen wie Partnerschaftsgewalt und Paarberatung, der Familienbegriff jenseits heteronormativer Annahmen, Gleichberechtigung und Elternschaft, sexuelle Bildung, Feminismus an „Dritten Orten“, die Geschlechterordnung bei Hochzeiten sowie die Zusammenarbeit zwischen Frauenhäusern und Jugendämtern.
Neben den Fachvorträgen gab es 2 Workshops zu den Themen „Rhetorische Prinzipien für eine selbstbestimmte Online-Präsenz“ und „Anfeindungen in der Wissenschaftskommunikation – Umgang mit Hassrede und Wissenschaftsfeindlichkeit“. Clara Rohloff unterstrich in ihrem Workshop die Bedeutung von Sichtbarkeit für junge Wissenschaftler*innen: „Behalten Sie die Kontrolle über die Informationen, die Sie von sich preisgeben.“ Kristin Küter vom Scicomm Support erläuterte konkrete Strategien im Umgang mit Angriffen auf Wissenschaft und Wissenschaftler*innen anhand eines Fallbeispiels. Teilnehmende lobten den Tag als optimale Plattform für Austausch, Fachgespräche und interdisziplinären Dialog. Besonders erfreut zeigten sich die Teilnehmenden über die offene, wertschätzende Diskussionskultur.
Die Jahrestagung der LAGEN knüpfte am nächsten Tag nahtlos an diese Erfolge an. Sie begann mit Begrüßungsworten von Prof. Dr. Corinna Onnen (LAGEN) und Prof. Dr. Leonie Wagner (HAWK Netzwerk Genderforschung) sowie mit den Grußworten von Anne Teschner (MWK) und Dr. Anne Faber (Hauptberufliche Vizepräsidentin der HAWK). Alle hoben die zentrale Bedeutung der Geschlechterforschung für das Verständnis gesellschaftlicher Herausforderungen und Zukunftsfragen hervor. Das Thema „Ländliche Räume“ sei gerade im Flächenland Niedersachsen zentral.
In ihrer Keynote zu „Lebensbedingungen und Chancengleichheit an der Schnittstelle von räumlicher und geschlechtlicher Ungleichheit“ beleuchtete Dr. Gesine Tuitjer vom Thünen-Institut die Vielfalt ländlicher Regionen anhand zahlreicher empirischer Beispiele. Das Tagungsthema „Arbeits- und Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen“ gliederte sich in die drei Schwerpunkte „Soziale Bewegungen als Motor sozialen Wandels – Frauen in Bewegungen“, „Lebensentwürfe, Lebensweisen und -verläufe“ und „Queere Sorge-, Schutz- und Solidaritäts-Arrangements“.
Rund 20 Referierende aus Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften präsentierten ein vielschichtiges Bild der Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen, zeigten bestehende Forschungslücken auf und machten gesellschaftlich bislang wenig beachtete Gruppen sichtbar. Alle Beiträge unterstrichen die Bedeutung der Genderforschung für ländliche Regionen und boten Einblicke in Herausforderungen sowie Handlungs- und Veränderungsansätze.
9 Fachvorträge, 2 Workshop und ein Panel stellten eine Vielzahl an Perspektiven auf geschlechtliche Ungleichheit und die Möglichkeiten ihrer Überwindung vor. Die Veranstaltenden zogen eine durchweg positive Bilanz: Die Jahrestagung war ein großer Erfolg und leistet einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag zur genderbezogenen Forschung (nicht nur) in Niedersachsen.
Die Beiträge der Tagung erscheinen im kommenden Jahr in der Schriftenreihe der LAGEN (L’AGENda, Verlag Barbara Budrich).