HAWK-Fakultät Gestaltung plant eine Entsiegelung auf dem Campus Weinberg

Erscheinungsdatum: 01.09.2026

Die HAWK am Standort Hildesheim pflastert weiter ab – nach der ersten Aktion am Goschentor 1 folgt nun der Campus Weinberg in der Renatastraße 11. Die Initiative dazu kam von den Studentinnen Emelie Konopka, Sophie Polack, Franziska Füllgraf und Louisa Schneider von der HAWK-Fakultät Gestaltung im Rahmen des Masterpilotprojekts unter der Leitung von Prof. Dr. Sabine Foraita und Prof. Stefan Wölwer. Gemeinsam entwickelten sie ein ganzheitliches Konzept, um den Campus besser vor Hitze und den Folgen des Klimawandels zu schützen.

Der Entwurf der 4 Studentinnen sieht den Campus Weinberg in einem ganz anderen Licht. Wo jetzt versiegelte Flächen die Grünflächen und Baumscheiben einrahmen, sehen sie begrünte Wände, Bäume, Sträucher, Wiesen, Fahrradparkplätze mit begrünten Dächern, Wasserläufe sowie Futter- und Trinkstellen für Tiere. Was die Gruppe auf dem Rechner gestaltet hat, muss aber keine Utopie bleiben. Denn heute ermittelt die HAWK, wie sich die gemeinsame Vision Stück für Stück umsetzen lässt. Der erste Schritt dorthin soll also eine partielle Entsiegelung der gepflasterten Flächen zugunsten von Blühstreifen, Bäumen und Sträuchern sein, sodass Wasser besser im Boden versickern kann und mehr Schatten auf das Gelände fällt.

Die Initiative erweist sich in ihrer Chronologie als konsequente Fortsetzung dessen, was bereits umgesetzt ist. So verwandelte sich bislang eine Rasenfläche in eine Blühwiese, eine weitere hat die Fakultät mit Obstbäumen und Beerensträuchern erweitert. Als Effekt gewünscht sind mehr Diversität bei Tieren und Pflanzen sowie eine kühlende Wirkung durch Schatten und mehr Feuchtigkeit im Boden.

 

Zum Kick-Off-Termin trafen sich Fachleute aus verschiedenen Bereichen, um bei der Planung und Umsetzung zu unterstützen. Juliane Steinmann, Dozentin für Kultur und Theater, bringt sich auch in dieser Entsiegelungsaktion mit Erfahrung und Netzwerken für die praktische Unterstützung ein. Beim ersten Entsiegeln dabei war auch der gelernte Garten- und Landschaftsbauer Jens Buchheister aus dem HAWK-Gebäudemanagement. Von der Netzwerkinitiative „HAWK gemeinsam gestalten!“ kam Sabrina Stöbe dazu. Online schaltete sich Prof. Dr.-Ing. Ines Lüder von der Fakultät Bauen und Erhalten und Co-Sprecherin der Senats-AG Sozialraum HAWK, zu. Außerdem erschien Christian Jolk, Bauingenieur beim SBSN Staatlichen Baumanagement Südniedersachsen.

Beim gemeinsamen Rundgang besprachen die Beteiligten alle Vorschläge zum Entsiegeln. Christian Jolk zeigte sich den Plänen in der Gesamtheit sehr aufgeschlossen und erläuterte nachvollziehbar, an welchen Stellen er Bedenken hätte, aber vor allem, an welchen Stellen er keine Schwierigkeiten sehe. Als Grundlage zu allen Vorhaben orientierte er sich an der Bundesrichtlinie nachhaltiges Bauen. Diese basiert auf einem ganzheitlichen Drei-Säulen-Modell, das ökologische Qualität, ökonomische Stabilität und soziale Aspekte vereint. Der Fokus liegt dabei auf Ressourceneffizienz, langfristiger Wirtschaftlichkeit und dem Komfort der Nutzenden.

„Ein Blühstreifen geht immer.“

An einigen Baumscheiben erkannte er mit geübtem Blick, dass das Wasser aktuell noch ungünstig von den Baumscheiben wegführt. Zu den Stellen, an denen es eine Entsiegelung oder Veränderung geben soll, konnte er schnell klare Tipps und Empfehlungen vermitteln, beispielsweise zu den Bambusstauden rund um Haus A: Die sollen weichen, da sie aus Asien stammen und heimischen Tieren keine passende Nahrung oder Lebensräume bieten. Heimische Raupen, Käfer oder Schmetterlinge sind an bestimmte einheimische Pflanzen angepasst. Sie können die harten Blätter des Bambus nicht fressen. Darum finden auch Vögel hier kaum Futter. Den Bambus will die Fakultät durch heimische Gewächse ersetzen.

Viel Gewinn verspricht eine Entsiegelung rund um die Terrasse des studentisch betriebenen Cafés „Cafete“. Hier haben die Studierenden bereits die einzelnen Baumscheiben zu kleinen Biotopen umstrukturiert. Hier wird dann mehr Fläche dafür entstehen. Für nahezu alle Stellen empfiehlt Christian Jolk noch mal eine genaue Prüfung des Untergrunds, auch wenn er sich vor dem Treffen schon ausgiebig mit den Gegebenheiten auseinandergesetzt hatte. Stets nach dem Motto: Sicher ist sicher. Sein letzter Ratschlag ist dann auch sehr praktikabel: „Ein Blühstreifen geht immer.“

 

Zum weiteren Vorgehen erklärt Prof. Dr. Sabine Foraita: „Wir planen zu Beginn des Wintersemesters 2026/2027 mit der Entsiegelung zu starten. Wichtig ist uns hierbei, unsere Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitenden so intensiv wie möglich an der Umstrukturierung teilhaben zu lassen.“ Zur Finanzierung verwies Sabrina Stöbe auf 2 zum Projekt passende Fördermöglichkeiten inklusive des Angebots, bei der Antragstellung zu unterstützen.