HAWK in Hildesheim als internationaler Treffpunkt der Gesundheitsberufe
Das Motto der internationalen Tagung lautete „Gemeinsam Gesundheitsversorgung gestalten: Zwischen Utopie und etablierter Praxis“. Und es sei wirklich spannend gewesen, „sowohl das gemeinsame Träumen, als auch zu reflektieren, wo wir denn momentan stehen und wie wir mehr Utopie in die Praxis bekommen?“, sagt Prof. Dr. Hendrike Frieg am Ende zufrieden. Sie hat die Tagung gemeinsam mit Prof. Dr. Axel Schäfer für den Studienbereich Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie an der HAWK organisiert.
Drei Tage lang war die HAWK in Hildesheim Gastgeberin der Dreiländertagung des VFWG. Zahlreiche Vorträge und Poster waren eingereicht worden. Thematisch behandelten sie die ersten Entwürfe für eine andere Gesundheitsversorgung bis zu Konzepten, die im Alltag von Kliniken, Praxen und Pflegeeinrichtungen bereits erprobt sind.
Der VFWG ist im deutschsprachigen Raum verankert. Seine Tagung findet alle 2 Jahre statt und wechselt dabei zwischen den 3 Ländern Österreich, Schweiz und Deutschland. Ausrichter ist der Verein, die Organisation übernimmt die jeweilige Gastgeberhochschule. Die Beiträge kamen überwiegend aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, offen ist die Tagung aber für alle Interessierten.
Schon am Mittwoch gab es vor der eigentlichen Tagung 4 Workshops. Sie behandelten partizipative Forschung, den Einsatz von Extended Reality in einer CAVE für Lehre und Therapie, die Unterstützung von Promovierenden und das Veröffentlichen wissenschaftlicher Artikel. Den letzten Workshop leiteten die beiden Chefredakteure des „International Journal of Health Professions“. Am Abend folgten eine historische Stadtführung zum Thema Gesundheit im mittelalterlichen Hildesheim und ein gemeinsames Essen im Knochenhaueramtshaus am Marktplatz.
Zum offiziellen Auftakt am Donnerstag sprach Dr. Jan-Jaap Reinders von der Universität Groningen (Niederlande) in der ersten Keynote über gelingende interprofessionelle Zusammenarbeit im Gesundheitswesen als Utopie. Diese etabliere sich nicht von selbst als Praxis. Fachkräfte müssten über die Grenzen ihres eigenen Berufs hinweg sozialisiert werden, und zwar über lange Zeit in Ausbildung und Organisation. Reinders selbst schloss seinen Beitrag mit einer optimistischen Einschätzung: „Utopia may be closer than we think.“
Die 2. Keynote am Freitag war der Versorgungspraxis gewidmet. Prof. Dr. Mirjam Körner von der Berner Fachhochschule (Schweiz) fragte, warum so viele Neuerungen im Gesundheitswesen nie im Versorgungsalltag ankommen. Oft liege es nicht an der Qualität einer Intervention, sondern an ihrer Umsetzung, also an organisatorischen, kulturellen und personellen Voraussetzungen. Körner stellte als Lösungsansatz Strategien aus der Implementierungswissenschaft vor.
Zwischen den Keynotes liefen 3 Vortragsblöcke mit jeweils bis zu 4 parallelen Sessions, insgesamt mehr als 30 Beiträge, dazu eine Postersession. Die Spannbreite war groß. Es ging u.a. um teletherapeutische Angebote in der Logopädie, eine telemedizinische Schluckdiagnostik nach Schlaganfall und Lernstrukturen am Arbeitsplatz in der Langzeitpflege. Andere Beiträge befassten sich mit der Rolle von Advanced Physiotherapy Practitioners an Universitätskliniken, einem Versorgungsmodell für das postakute Infektionssyndrom sowie Diversitätskompetenz und Antirassismus in der Ausbildung der Gesundheitsberufe.
Mit der symbolischen Stabübergabe an die nächste Gastgeberhochschule, die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Winterthur (Schweiz), endete die Tagung am Freitagmittag. Die nächste Dreiländertagung findet in 2 Jahren statt. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden seien eindeutig gewesen, so Frieg: „An einigen Stellen habe ich gehört, das war die beste Dreiländertagung überhaupt. Das hört man als Veranstalterin durchaus gerne.“
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