HAWK, Stadt und Nachbarschaft entsiegeln gemeinsam einen Hitze-Hotspot
Bis zu 60 Freiwillige, die meisten Studierende, arbeiten gleichzeitig mit Brechstangen, Schaufeln und Spitzhacken. Professor*innen, Mitarbeitende, Studierende, Nachbar*innen und Partner aus Stadtverwaltung und Verbänden packten mit an. Am Ende des Vormittags füllten die Steine in drei große Container – der erste Schritt zu einem grüneren und kühleren Campus.
Der Platz gilt bisher als Hitze-Hotspot. Die nahezu vollständig gepflasterte Fläche vor dem HAWK-Gebäude heizt sich im Sommer auf über 32 Grad auf, stellenweise sogar über 35 Grad. „Hier ist alles versiegelt, es gibt kaum Artenvielfalt. Das wollen wir ändern“, erklärt Projektinitiatorin Juliane Steinmann, Dozentin für Theater und Kultur an der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit.
Steinmann koordinierte die Zusammenarbeit von Studierenden sowie Lehrenden und hielt Kontakt zur Stadt Hildesheim sowie zum Land. Ziel ist ein klimaangepasster, ökologisch und sozial nachhaltiger Außenraum der Hochschule. Rund 200 Quadratmeter sollen entsiegelt werden.
Ab 10.30 Uhr füllt sich der Platz mit Menschen und Werkzeugen. Das Green Office der HAWK baute einen Info-Pavillon auf, und nach einer kurzen Ansprache von Steinmann greifen alle zu den Werkzeugen. Viele haben ihre Arbeitshandschuhe mitgebracht – sie können sich aber auch welche leihen. Insgesamt beteiligen sich etwa 200 Personen, zeitweise arbeiteten rund 60 gleichzeitig in kleinen Gruppen an den verschiedenen Entsiegelungsöffnungen. Zuerst entfernten sie Pflastersteine um bestehende Bäume, dann größere Flächen für die Neubepflanzung.
Die Logistik übernahmen das Gebäudemanagement der HAWK und die Stadt Hildesheim, die sich die Vorplatzfläche in der Zuständigkeit teilen. Es waren einige Monate Vorplanung nötig. Jens Buchheister, Meister im Gebäudemanagement und gelernter Landschaftsbauer, zeigt sich zufrieden: „Das lief fantastisch. Die Studierenden haben super mitgeholfen, und wir haben auch selbst angepackt. “
Für viele Studierende war die Aktion eine praktische Ergänzung zu Seminaren über Klima- und Artenschutz, Stadtentwicklung und soziale Räume. Anna Mittelstaedt, Studentin und Hilfskraft im Green Office, kümmert sich um mehrere Entsiegelungsinseln. „Ich finde es toll, dass der Platz jetzt grüner wird. Er war ja komplett versiegelt. Ich bin gespannt, wie es am Ende aussieht“, sagt sie.
Auch Emily Schleeth, ebenfalls Studentin, ist begeistert: „Die Aktion ist großartig. So viele Leute helfen mit, obwohl das Wetter nicht ideal ist. Es hat geregnet, aber die Beteiligung ist trotzdem riesig. Das zeigt, wie viel man gemeinsam schaffen kann.“
Die Aktion ist Teil des Projekts „HAWK gemeinsam gestalten“ innerhalb der Hochschule, das Beteiligungsprozesse am Campus fördert. „Toller Tatendrang und gemeinsames Schaffen – das ist unser Ziel“, fasst Karen Neubauer, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Initiative, zusammen. Für sie steht die Entsiegelungsaktion sinnbildlich für die Ausrichtung des Projekts: „Gemeinsam die Hochschule verändern.“
Neubauer hebt die Vielfalt der Beteiligten hervor: „Es ist großartig, dass so viele Studierende und Menschen aus dem Stadtteil mitgemacht haben.“ Seit März arbeiten auch Seminare daran, Lehrveranstaltungen mit Praxisprojekten am Campus zu verbinden. Die Entsiegelungsaktion bildet den Auftakt, der nach innen und außen wirken soll.
Steinmann sieht in der Aktion eine Art der Selbstvergewisserung für die Hochschule: „Das ist ein Empowerment-Moment. Wir merken, dass wir Teil eines größeren Ganzen sind.“
Dr. Markus Kieselhorst von der Stabsstelle Organisationsentwicklung ordnete die Aktion in eine größere Strategie ein: „Mehrere Initiativen haben zusammengearbeitet, um heute so viele Steine zu entfernen und Platz für Bäume zu schaffen. Die Energie und der positive Spirit waren beeindruckend.“
Die Kooperation mit der Stadt umfasste dabei viele logistische Absprachen: So wurden vorab die Flächen zum Entsiegeln gemeinsam markiert. Des Weiteren lieferte der städtische Bauhof die Container und übernahm den Abtransport der entnommenen Steine.
Im Anschluss an die Entsiegelungsaktion bereiteten städtische Mitarbeitende die Flächen vor, um sie anschließend mit Muttererde aufzufüllen. Auch die spätere Bepflanzung im Herbst von zunächst drei weiteren Bäumen, zwei großkronigen sowie einem kleineren Baum, soll übernommen werden. Zudem gibt es eine Zusammenarbeit in Bezug auf die Beete an der Straßenseite.
Die Maßnahmen zur Entpflasterung folgen Empfehlungen vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie Niedersachsen. Das Bodenprofil unter dem Platz biete gute Wachstumsbedingungen für Bäume und Wiesen, so die Analyse. Langfristig können solche Maßnahmen das Mikroklima abkühlen und die Regenwassernutzung verbessern.
Die freigelegten Flächen werden auch von den Initiator*innen weiter bearbeitet: „Wir säen Blühwiesen aus und pflanzen Sträucher“, beschreibt Steinmann die nächsten Schritte, die dann zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen sollen. Grundsätzlich stellt sich Steinmann auch die künftige Pflege der neuen Flächen durch Seminare bzw. studentische Mitarbeit vor.
Studierende werden in diesem Zuge ein Steinbeet am Haupteingang am Goschentor mit Pflanzen und Sträuchern aufwerten, so der ehemalige AStA-Referent Marc-Antoine Schneider und Initiator dieser Teilaktion, der das Vorhaben im Rahmen seiner Bachelorarbeit über ein innovatives Lehrkonzept durchführt. Man könne sich am Goschentorplatz grundsätzlich auch Holzsitzflächen auf den Steinquadern vorstellen.
Mit der Entpflasterungs-Aktion tritt die Initiative zudem beim Städtewettbewerb „abpflastern.de“ an und möchte prinzipiell inspirieren, weitere Entsiegelungsprojekte in der Region anzustoßen – bisher mit einigem Erfolg:
In der Initiative Neustadt hat sich bereits ein Kreis von Interessierten gefunden, um Mitbürger*innen zu animieren, privat „abzupflastern“. Auch habe Steinmann einige Anrufe aus anderen Stadtteilen von Interessenten an so einer Aktion erhalten.
„Das ist nur der Anfang“, betont Steinmann daher in ihrem Fazit. In den kommenden Semestern sollen weitere Projekte folgen – auf dem Campus und darüber hinaus. „Ich hoffe, dass viele diesem Beispiel folgen“, sagt sie.
Das aktuelle Vorhaben an der HAWK ist noch nicht ganz zu Ende: „Am Freitag, 3.7., werden wir die restlichen 6 Bäume von Pflaster befreien“, kündigt Steinmann an. Insgesamt stehen sie am Anfang, betont Steinmann in ihrem Fazit. In den kommenden Semestern sollen weitere Projekte folgen – auf dem Campus und darüber hinaus. „Ich hoffe, dass viele diesem Beispiel folgen“.
Kontakt
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Hohnsen 1(Raum HIB_116)31134 Hildesheim