Die Urkunde mag Spuren tragen – aber sie steht für etwas viel Größeres: Unterstützung, Vertrauen und Chancen, die bleiben.
Anlässlich der 15 Jahre Deutschlandstipendium hat Lukas Richter uns seine Geschichte aufgeschrieben und der Grund, warum er heute zwei Urkunden des Deutschlandstipendiums besitzt.
Eine Urkunde, die mehr erzählt
Im Jahr 2023 durfte ich zum dritten Mal Teil des Deutschlandstipendiums sein. Eine Förderung, die für mich weit mehr bedeutet als eine finanzielle Unterstützung. Sie bringt engagierte Studierende und Unternehmen zusammen, eröffnet neue Perspektiven und schafft Begegnungen, die über das Studium hinauswirken. Einer der besonderen Momente dieses Programms ist jedes Jahr die Vergabefeier. Diesmal fand sie an einem Dienstagabend in der Scheddachhalle am Standort Göttingen der HAWK
statt. Für mich begann dieser Tag jedoch schon mit einem kleinen logistischen Kraftakt: Am nächsten Morgen sollte es früh in den Urlaub nach Dänemark gehen. Also hatte ich bereits alles in Holzminden gepackt, den Anzug angezogen und mich auf den Weg nach Göttingen gemacht – mit dem Plan, nach der Feier mit dem ICE weiter zur Familie nach Hannover zu
fahren. In Göttingen angekommen, wurden Rucksack und Tasche verstaut, und der Abend begann mit entspanntem Netzwerken. Gespräche mit anderen Stipendiatinnen und Stipendiaten sowie mit Vertreterinnen und Vertretern der fördernden Unternehmen gehören für mich zu den wertvollsten Momenten dieser Veranstaltung. Es ist eine Atmosphäre voller Motivation,
Neugier und gegenseitiger Unterstützung. Mit Beginn der offiziellen Feier folgte eine Rede der nächsten – und währenddessen wurde ich zunehmend unruhig. Der Grund war weniger die Nervosität vor der Urkundenübergabe als
vielmehr ein Blick auf die Uhr: Um 20:15 Uhr fuhr mein Zug nach Hannover. Als mein Name schließlich aufgerufen wurde – mit einem Nachnamen, der im Alphabet recht weit hinten steht – war es bereits 19:50 Uhr. Urkunde entgegennehmen, kurzes Foto, Urkunde in die Tasche legen – und dann schnell hinaus in den strömenden Regen.
19:58 Uhr. Apple Karten prognostiziert 22 Minuten bis zum Göttinger Hauptbahnhof. Es wird knapp. Also ging es im Anzug und in eher ungeeigneten Schuhen im Laufschritt durch die Göttinger Innenstadt. Der Regenschirm half nur bedingt – Hose und Tasche wurden trotzdem nass. Am Bahnhof angekommen, noch schnell die Treppen zum Gleis hinauf. Der Zug war noch
nicht da. Ich hatte es tatsächlich geschafft – auch wenn ich völlig außer Atem war. Doch dann zeigte die Anzeigetafel eine neue Information: Zugverspätung. 25 Minuten. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich mich vermutlich auch etwas weniger hätte beeilen müssen, Deutsche Bahn halt…
Später am Abend kam ich schließlich in Hannover an, wo meine Freundin mich bereits abholte. Der Plan war simpel: schnell nach Hause, schlafen und am nächsten Morgen in den Urlaub starten. Doch auch diese letzte Etappe hatte noch eine kleine Überraschung parat. Mitten auf der Straße nahm das Auto plötzlich kein Gas mehr an. In einer Kurve kamen wir zum Stehen, während andere Autos hupend an uns vorbeifuhren. Nach ein paar Minuten und einem Neustart des Autos funktionierte zum Glück alles wieder, und wir konnten die Fahrt fortsetzen.
Zuhause angekommen begann ich, meine inzwischen ziemlich nasse Tasche auszuräumen. Und dort lag sie: meine frisch erhaltene Urkunde des Deutschlandstipendiums. Durchnässt, gewellt, geknickt – und mit einem deutlichen Loch in der Mitte.
Doch diese kleine Geschichte sagt eigentlich etwas anderes aus: Eine Urkunde wie diese steht nicht nur für einen einzelnen Moment auf einer Bühne. Sie steht für Unterstützung, Vertrauen und die Möglichkeit, sich während des Studiums auf das Wesentliche zu konzentrieren. Für mich bedeutet das Deutschlandstipendium vor allem Begegnungen mit engagierten Menschen, neue Perspektiven und ein Netzwerk aus Studierenden und Unternehmen, das weit über die Studienzeit hinausreicht. Meine erste Urkunde hat diese Reise durch Regen, Bahnverspätung und eine kleine Autopanne zwar nicht ganz unbeschadet überstanden. Ihre Bedeutung bleibt jedoch dieselbe. Und weil ich für den Start in die Berufswelt doch eine etwas weniger abenteuerlich gezeichnete Version brauchte, habe ich heute zwei Urkunden des Deutschlandstipendiums. Die eine ist makellos, die andere erzählt eine Geschichte, aber beide haben einen hohen Stellenwert für mich.