Bereich: Proptech
Gründungsjahr: 2024
Ehemalige Fakultäten/Studiengänge der Teammitglieder: HAWK Holzminden | Immobilienwirtschaft- und Management
Beschreibe dein Startup in zwei Sätzen:
Conlivo stellt Hausverwaltungen eine Plattform für die vollautomatische Selbstabrechnung der Heizkosten zur Verfügung. Damit machen sich die Verwaltungen unabhängig von den Messdienstleistern, gestalten interne Prozesse effizienter und sichern sich zusätzliche Erlöse durch ein erweitertes Dienstleistungsportfolio.
Wie seid ihr auf eure Gründungsidee gekommen und was hat euch motiviert diese zu verwirklichen?
Die Gründungsidee entstand während meiner Werkstudententätigkeit in einem mittelständischen Immobilienunternehmen (Part AG). Obwohl die Verwaltung insgesamt auf hohem Niveau arbeitete, war die Heizkostenabrechnung regelmäßig ein Schwachpunkt: lange Wartezeiten, hohe Kosten und fehlerhafte Abrechnungen prägten den Alltag und führten immer wieder zu Unzufriedenheit. Irgendwann stellte sich die Frage, warum die Heizkostenabrechnung nicht eigenständig erstellt wird. Das zentrale Problem lag im fehlenden Zugriff auf die Zählerdaten, auf die bis dahin nur der Messdienstleister zugreifen konnte und einer fehlenden Software zur Abrechnungserstellung. Die Novellierung der Heizkostenverordnung im Jahr 2021, die seit dem 01.12.2022 die Installation von schnittstellenoffenem Zähler vorschreibt, bat die Chance, unabhängig vom Messdienstleister auf die Zählerdaten zuzugreifen. Wir installierten ein Gateway (Datensammler) in der Liegenschaft und konnten erstmals alle Zählerdaten auslesen. Damit war klar: Es braucht eine Software, die diese Daten automatisiert verarbeitet und die eigenständige Abrechnungserstellung ermöglicht.
Wie würdet ihr euer Produkt/eure Idee beschreiben, für wen ist euer Angebot gedacht und welches Problem löst ihr?
Mit unserem Gateway und den inzwischen entwickelten Schnittstellen zu den Messdienstleistern erfassen wir sämtliche Energiedaten direkt aus dem Gebäude. Parallel bestehen APIs zu allen gängigen ERP-Systemen der Wohnungswirtschaft, über die Nutzer- und Kostendaten automatisiert übernommen werden. Unser Algorithmus verarbeitet beide Datenquellen vollautomatisch und der Verwalter erstellt damit die Heizkostenabrechnung innerhalb weniger Sekunden. Unser Angebot richtet sich primär an Hausverwaltungen jeder Größenordnung. Während unser kleinster Kunde rund 200 Einheiten betreut, verwaltet der größte etwa 48.000. Die Verwalterbranche steht durch geringe Margen und steigende regulatorische Anforderungen unter erheblichem Kostendruck. Digitale und effiziente Prozesse sind in der Verwaltung etabliert, enden durch lange Wartzeiten und alte Prozesse bislang jedoch beim Messdienstleister. Hier setzen wir an: Mit unserer Software erstellt der Verwalter die Heizkostenabrechnung eigenständig, behält die volle Prozesshoheit und kann den Aufwand selbst abrechnen. Typischerweise berechnen unsere Kunden rund 80 Euro netto pro Einheit, entsprechend dem bisherigen Betrag des Messdienstleisters. Dies führt bei unseren Kunden zu einer EBIT-Steigerung von über 25 Prozent.
Welche HAWK-Hochschul- und Lehrveranstaltungen haben euch geholfen, wie konnte euch die Hochschule unterstützen?
Die IPS-Kurse boten eine gute Möglichkeit, sich bereits während des Studiums intensiv mit dem Thema Gründung auseinanderzusetzen. In den Veranstaltungen von Christopher Kolbeck erhielten die Teilnehmenden ein fundiertes Verständnis dafür, wie ein Gründungsprozess abläuft, worauf zu achten ist und welche typischen Fallstricke bestehen. Die Lehrveranstaltungen bauten inhaltlich aufeinander auf, sodass früh die eigene Ideenentwicklung im Fokus stand bzw. bestehende Konzepte, wie in unserem Fall, weiter geschärft wurden. Besonders wertvoll war der regelmäßige Austausch mit externen Expertinnen und Experten, darunter ehemalige Gründer, Startup-Geschäftsführer, Investoren sowie Marketingpersönlichkeiten, mit denen die eigene Idee in einem geschützten Rahmen kritisch hinterfragt werden konnte. Zusätzlich unterstützten die interdisziplinären Kurse, sich bereits im Rahmen von Facharbeiten vertieft mit der eigenen Gründungsidee auseinanderzusetzen.
Gab es Herausforderungen im Gründungsprozess – und wie seid ihr damit umgegangen und welche Skills oder Kompetenzen haben euch am meisten geholfen?
Wer sich bisher nicht eigenständig organisieren kann, lernt es spätestens im Gründungsprozess. Während der Gründung trägt man gefühlt 100 Hüte gleichzeitig: Produktentwicklung, Vertrieb, Finanzierung, Teamaufbau, Förderprogramme und regulatorische Themen. Man trifft Entscheidungen ohne ausreichende Informationen, lebt mit Konsequenzen, die sich nicht abfedern lassen und übernimmt Verantwortung, für die man sich anfangs nicht bereit fühlt. Umso wichtiger ist es, sich konsequent auf die wesentlichen Themen zu konzentrieren und eine klare Rollenverteilung im Gründerteam zu etablieren. Komplementäre Kompetenzen im Team sind für diesen Prozess unabdingbar, weil sie Geschwindigkeit ermöglichen und Reibungsverluste reduzieren. Entscheidend sind zudem schnelle Lernzyklen, eine hohe Umsetzungsdisziplin sowie die Fähigkeit, Unsicherheiten auszuhalten und handlungsfähig zu bleiben. Selbst dann, wenn die Situation aussichtslos erscheint.
Was würdet ihr anderen Studierenden oder Gründungsinteressierten mit auf den Weg geben?
Das beste Produkt, die beste Idee, die beste Dienstleistung nützt nichts, wenn für das gelöste Problem keine Zahlungsbereitschaft besteht und die Nachfrage nicht groß genug ist. Geht daher früh in die Entwicklung eines MVP und prüft konsequent die Nachfrage im Markt. Nicht bei Freunden und Bekannten, sondern bei potenziellen Kunden. Die Kritik mag hart sein, ist aber enorm wertvoll. Sie schärft eure Position und gibt euch die Chance, das Produkt früh nah am Kunden auszubauen.
Wenn ihr während der Entwicklung sichtbar performt und Kunden eure Fortschritte verfolgen, sichert ihr euch früh wichtige Multiplikatoren im Markt. Der erste MVP muss nicht perfekt sein. Er muss dem Kunden zeigen, wohin die Reise geht. Bei uns war es ein einfaches Mockup, mit dem wir ein Jahr im Vertrieb unterwegs waren und über 50 Unternehmen gewonnen haben. Den Zugang zur finalen Software erhielten diese Kunden erst zwei Jahre später.
Kontaktdaten des Unternehmens: www.conlivo.de | Wir sind immer auf der Suche nach motivierten Personen, die bereits Erfahrung in der Hausverwaltung sammeln konnten. 😃