Erscheinungsdatum: 12.12.2017

Studie zur Arbeitssituation lesbischer, schwuler, bisexueller und Trans-Beschäftigter (LSBT) in Deutschland

Vom 14. Februar bis zum 3. Mai 2017 fand eine quantitative Befragung von LSBT-Personen in Deutschland statt. Diese wurden zu ihrer Arbeitsplatzsituation befragt. Realisiert wurde die Studie vom Institut für Diversity- & Antidiskriminierungsforschung in Zusammenarbeit mit der Antidiskriminierungsstelle des Bundes und der Hochschule Fresenius University of Applied Sciences.

Leitfragen der Studie sind:

  • Wie offen kommunizieren LSBT-Beschäftigte ihre sexuelle Identität?
  • Welche persönlichen und betriebsinternen Faktoren beeinflussen ihr Verhalten?
  • Welche Akzeptanz- und Diskriminierungserfahrungen haben sie gemacht?
  • Wie kann anhand der Studienergebnisse eine ressourcen- und kompetenzorientierte Perspektive auf LSBT-Beschäftigte entwickelt werden?

Eine erste Erhebung fand im Jahr 2007 statt. Hier wurden insgesamt 2.230 lesbische und schwule Beschäftigte befragt. 2017 wurde die Gruppe der Beschäftigten um bisexuelle und transgeschlechtliche Beschäftigte erweitert.

Die Stichprobe setzt sich 2017 wie folgt zusammen:

  • 2.385 lesbische und schwule Beschäftigte
  • 209 bisexuelle Beschäftigte
  • 290 transgeschlechtliche Beschäftigte

Davon bezeichnen sich:

  • 34,2 Prozent als weiblich
  • 55,7 Prozent als männlich
  • 10,1 Prozent als trans

Das Durchschnittsalter liegt bei 37,88 Jahren.

Offenheit mit sexueller Identität:

Im Vergleich zu den Ergebnissen aus der Erhebung von 2007, lässt sich erkennen, dass der Anteil derer, die offen mit der eigenen sexuellen Identität umgehen, bei lesbischen und schwulen Beschäftigten angestiegen ist.
So sprechen 28,9 Prozent der Befragten offen mit Kolleg/inn/en über ihre sexuelle Identität. Im Jahr 2007 waren es nur 12,7 Prozent.
Bisexuelle Beschäftige hingegen sprechen nur zu ca. zehn Prozent offen mit Kolleg/inn/en und Trans-Beschäftigte nur zu ca. acht Prozent.

Diskriminierung im Arbeitsalltag:

Mehr als 75 Prozent der LSBT-Beschäftigten erfahren in ihrem Arbeitsalltag Diskriminierungen beispielsweise in Form von voyeuristischem Verhalten, Mobbing, Ignorieren, Kommunikationsausschluss, Karriereblockaden oder sexueller Belästigung. Trans-Personen werden überproportional diskriminiert und stigmatisiert.
20,6 Prozent der erlebten Diskriminierungen sind strafrechtlich relevant.

Neben den oben aufgeführten Diskriminierungserfahrungen erleben Trans-Beschäftigte eine zusätzliche Missachtung ihrer geschlechtlichen Identität. Diese zeigt sich insbesondere darin, dass die Anpassung von Namensschildern, Signaturen oder Dokumenten verweigert und der gewünschte Toilettenzugang verwehrt wird.

Die Studie zeigt die positive Tendenz einer gesellschaftlichen Öffnung für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt. Dennoch ist zu erkennen, dass bis zur Gleichbehandlung aller Menschen noch viel zu tun ist.

Weiterführende Informationen:

  • 2017: IDA Institut für Diversity- & Antidiskriminierungsforschung: Vollständige Studie: „Out im Office?!“ Sexuelle Identität und Geschlechtsidentität, (Anti-) Diskriminierung und Diversity am Arbeitsplatz
  • 2017: Antidiskriminierungsstelle des Bundes: Übersicht über zentrale Ergebnisse der Studie
  • 2007: IDA Institut für Diversity- & Antidiskriminierungsforschung: Vollständige Studie: „Out im Office?!“ Sexuelle Identität, (Anti-) Diskriminierung und Diversity am Arbeitsplatz


Kontakt:
Kristin Langer
Studentische Mitarbeiterin
Gleichstellungsbüro
Goschentor 1 (Raum 310) E-Mail
31134 Hildesheim

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